Eine große Farbfläche ist noch keine große Zahl.

Auf einer thematischen Karte bedeutet eine Farbe etwas: zum Beispiel eine Bevölkerungsdichte oder einen Anteil. Zugleich nimmt ein geografisch großes Gebiet viel Platz ein. Diese beiden Ebenen müssen getrennt gelesen werden. Der Wert steht in der Legende; die sichtbare Ausdehnung gehört zur Geografie.

Equal Earth hilft bei einer weltweiten Übersicht, weil hohe Breiten keinen zusätzlichen Flächenbonus erhalten. Doch auch eine flächentreue Karte gibt dünn besiedelten großen Regionen mehr Bildfläche als dicht besiedelten kleinen. Fläche und Bevölkerung sind unterschiedliche Größen.

Belege zum Abschnitt[1][2]

Das kleine Kartenlabor

Gleiche Daten. Eine andere Frage.

Zwei erfundene Regionen, zwei Vergleiche. Welche hat mehr Bibliotheken – insgesamt oder im Verhältnis zur Bevölkerung?

Gesamtzahl · Bibliotheken

Insgesamt liegt A vorn: 800 gegenüber 300 Bibliotheken.

Fiktive Lehrdaten, keine Länderstatistik. A: 800 Bibliotheken bei 8 Mio. Einwohnern. B: 300 bei 1 Mio.

Fiktive Lehrdaten, keine Länderstatistik. A: 800 Bibliotheken bei 8 Mio. Einwohnern. B: 300 bei 1 Mio.
RegionBibliothekenEinwohnerJe 1 Mio. Einwohner
A8008.000.000100
B3001.000.000300

Absolute Zahl oder Wert pro Kopf?

Unser erfundenes Beispiel hat zwei Regionen: A zählt 800 Bibliotheken bei acht Millionen Einwohnern, B hat 300 bei einer Million. Absolut liegt A vorn. Pro einer Million Einwohner sind es jedoch 100 gegenüber 300; nun liegt B vorn. Keine Zahl wurde verändert, nur die Frage.

Mit absoluten Zahlen untersuchst du die Gesamtmenge. Mit einem Wert pro Kopf vergleichst du die Menge relativ zur Bevölkerung. Bei Farbkarten werden in der Regel solche Verhältniszahlen genutzt; für absolute Mengen eignen sich häufig proportionale Symbole. Der Nenner muss in der Legende stehen.

Belege zum Abschnitt[3]

Bei Klimakarten gehört die Bezugsfläche dazu.

Angenommen, zwei gleich große Messzellen zeigen denselben Wert, eine nahe am Äquator, die andere bei 60° Breite. Auf sphärischem Mercator erhält die zweite Zelle lokal den vierfachen Flächenmaßstab. Eine visuelle Flächensumme wäre deshalb irreführend.

Für quantitative Aussagen braucht es die richtigen geografischen Flächengewichte. Eine flächentreue Darstellung erleichtert das Lesen, ersetzt aber keine fachgerechte Auswertung der zugrunde liegenden Daten. Pixel in einer Webkartenansicht sind nicht automatisch gleich große Stücke der Erde.

Belege zum Abschnitt[2]

Die Legende kann den Eindruck verändern.

Prüfe, ob Farben feste Zahlenintervalle, gleich viele Regionen pro Klasse oder eine kontinuierliche Skala darstellen. Zwei Karten desselben Datensatzes können dadurch sehr unterschiedlich aussehen. Ein dunkles Land muss zudem nicht den höchsten absoluten Wert haben, wenn die Karte einen Anteil zeigt.

Fehlende Daten brauchen eine eigene Kennzeichnung. Werden sie wie Nullwerte eingefärbt, verschwinden die Unterschiede zwischen „nichts gemessen“ und „gemessen: null“. Diese beiden Aussagen sollten Leser auseinanderhalten können.

Fünf Fragen an die nächste Datenkarte.

Was genau wird gemessen? Auf welchen Zeitraum beziehen sich die Daten? Welcher Nenner steckt in der Kennzahl? Was bewahrt die Projektion? Wie behandelt die Legende Klassen und fehlende Werte?

Für unser Bibliotheksbeispiel reicht eine Tabelle, um die Rangfolge nachzurechnen. Eine Karte wäre dann sinnvoll, wenn du zusätzlich räumliche Muster untersuchen möchtest. Die geeignete Darstellung ergibt sich aus der Frage an die Daten.